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Neuigkeiten des Kleinen Nazareno
September 2010

Rundschreiben Herbst 2010

   

 

Bericht über Aktionen für Strassenkinder
in Brasilien

 

Nationale Kampagne Mai 2010

   

 

Praktikumsberichte „O Pequeno Nazareno“ 2010

 

ELENA MATT

   
       
Michelle Wiget
 

 

Zwei Schicksale bei gleichem Weg

VON: BERNARDO

Die Arbeit des Kleinen Nazarenos ist gleich, doch können auch bei gleicher Arbeit,
Kinder unterschiedliche Schicksale nehmen.

  Brief von Bernardo      

 

Videos zum Kleinen Nazareno

Hallo liebe Freunde des Kleinen Nazarenos,

 Werner Rosemeyer hat heute bei YouTube drei Videos von dem Kleinen Nazareno eingestellt, die von Anika Kessler gemacht wurden.

Anika Kessler war im September 2007 mit einer Leipziger Gruppe zu Besuch bei Bernardo in Fortaleza. 

 Ich bitte euch alle, die Website aufzurufen und euch die Videos anzuschauen. Je mehr Leute diese Seite anwählen, je größer ist die Chance, dass wir vorne in der Hitliste liegen und somit auch das Fernsehen auf uns aufmerksam wird. Bitte teilt uns auch mit, wie ihr die Filme findet. Das interessiert uns sehr.

Die Adressen lauten: 

http://www.youtube.com/watch?v=wdTGTZBFmvs&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=RJRiY4NaFrk&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=IYlf9kSR9hE&feature=related

 Rechts im Kästchen stehen Informationen zu dem Video.

 

Besuch des Projektes „Der kleine Nazareno“ in Brasilien
9. Juli – 4. August 2008

Nach Besuchen von Projekten mit Kindern in Asien und Afrika, suchte ich nun im Internet nach einem Projekt in Südamerika. Meine Suche war erfolgreich und so erhielt ich die Möglichkeit  in den Sommerferien einen Monat im Projekt OPN in Maranguape, Brasilien zu verbringen.

Die Hälfte der achtzig Jungs (ehemalige Strassenkinder) war nicht anwesend, da sie die Möglichkeit hatten, ihre Ferienzeit mit ihren Familien und Verwandten zu verbringen. Dies enttäuschte mich zunächst etwas. Bald erkannte ich aber, dass es Herausforderung genug war  vierzig Kindern im Alter von 6 – 18 Jahren täglich um sich zu haben und zu versuchen allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Es war eine tolle Erfahrung zu sehen, welches Interesse die Heranwachsenden an Malen, Basteln, Puzzlen, Lern- und Gesellschaftsspielen und an Sportaktivitäten zeigten. Auch freuten sie sich über jeden persönlichen Kontakt (und Körpernähe). Es war schön zu sehen, wie die Kinder nach und nach mehr Vertrauen fassten und immer spontaner und herzlicher auf mich zukamen.

„Tia! Tia!“ (Tante), ertönte es den ganzen Tag, um Unterstützung zu bekommen oder auch nur um auf sich aufmerksam zu machen. Jeder wollte der Wichtigste und Liebste sein.

Eifersüchteleien blieben natürlich nicht aus und die grösste Herausforderung an mich war wohl mich auf Portugiesisch einigermassen verständlich auszudrücken, um Dinge richtig zu stellen, zu vermitteln und das soziale Verhalten zu fördern.

Ein besonderer Moment war der Besuch der Favelas. Mit der Sozialarbeiterin Silvana konnte ich die ärmsten und kinderreichsten Familien, die Familien der Schützlinge des kleinen Nazareno kennen lernen: Die Mütter, falls vorhanden, ausgemerkelt. Die Geschwister jeglicher Grösse, jeglichen Alters und meist von verschiedenster (nun abwesender) Väter. Die Wohnverhältnisse erschreckend: Bretterbuden, Wohnlöcher, Schmutz und Gestank!

Glücklicherweise gibt es Katzen gegen die Ratten!

Eine 2., wohl noch ergreifendere Erfahrung, war der Besuch der vielen Kinder, die noch immer auf der Strasse leben, in Begleitung des Streetworkers Antonio Carlos.

Da diese armseligen, schmutzigen und Aceton- schnüffelnden Kreaturen oft von A. Carlos besucht werden und sie Vertrauen zu ihm haben, war es ein Leichtes mit ihnen Kontakt aufzunehmen.

Immer ähnliche Schicksale treiben sie von Zuhause auf die Strasse und somit in Drogen und Kriminalität: Verwahrlosung, Hunger, seelische und körperliche Misshandlungen.

Obwohl ich schon einiges Leid gesehen habe und bewusst versuchte, mich abzugrenzen, rührte mich ein ca.17-jähriger Junge zu Tränen: Plötzlich stand er vor mir und fragte:

„Bist DU meine Madrina (Patin)? Nimmst du mich nun mit zu dir nach Hause, bitte?“

Ich war völlig perplex! Die Kinder hatten nach allem Möglichen gefragt und gebettelt, Geld, Bonbons etc, aber keiner hatte mich gebeten, ihn mitzunehmen.

Ich weiss nicht woran es lag; vielleicht daran, dass mein Sohn im gleichen Alter ist und von Geburt an alle Liebe und alle Chancen dieser Welt in die Wiege gelegt bekam und sich nie wirklich um etwas bemühen oder bitten musste. Ich sah dieses Häufchen Elend vor mir und mir kamen die Tränen. Natürlich sei ich gerne seine Madrina, könne ihn aber leider nicht mitnehmen, sagte ich und nahm ihn in den Arm.

„Warum weinst du? Ich bin doch glücklich, dass ich nun eine Madrina habe, auch wenn du mich nicht mit nach Hause nehmen kannst. Wann kommst du wieder?“

Ich habe den Jungen nochmals besucht. Er sah sehr schlecht aus, abgemagert, krank, schmutzig  und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er Drogen geschnüffelt hatte. Er umarmte mich und als seine Kumpane sauer wurden, dass ich nur ihm ein T-Shirt und eine kurze Hose gebracht hatte, verkündete er stolz:“ Sie ist doch meine Madrina!“ Und erstaunlicherweise schimpfte da keiner mehr und jeder freute sich scheinbar wehmütig mit ihm.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhang:

Ich werde nicht nur all diese Kinder vermissen, die zwar sehr viel Energie brauchten, mir auch viel Liebe schenkten, sondern auch all die Erwachsenen, die immer für ein freundliches Wort und ein herzhaftes Lachen Zeit fanden.

Herzlichen Dank für alles!

Claudia

 


 

 

 


 

 

 

 
 

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Stand: 15.09.11